Die Schüssel

Auf dem höchsten Punkt des Großen Waldsteins mit 877 m üNN wurde ein Aussichtspavillon errichtet, die "Schüssel", von der aus man einen herrlichen Rundblick in alle Himmelsrichtungen genießen kann. Wie kam es aber dazu, daß man diesen höchsten Teil des Granitturmes als Schüssel bezeichnete? Der Name Schüssel kommt von einer schüsselförmigen Verwitterungsmulde, die dieser höchste Felsenturm vor der Errichtung des Pavillons trug.


Die Schüssel

Auf dem höchsten Punkt des Großen Waldsteins mit 877 m üNN "Die Schüssel".


Der höchste Punkt des Großen Waldsteins (877 m) war einst der "Lug ins Land". August Goldfuß und Gustav Bischof schreiben in ihrem Buch "Physikalisch-statistische Beschreibung des Fichtelgebirges" aus dem Jahre 1817: Man ersteigt auf einer Leiter den untersten Felsenabsatz, gelangt von hier durch eine noch höhere Leiter auf eine zweite mit Fichten bewachsene Felsenstirne, von welcher man auf schmalen, in den Felsen eingehauenen Treppen am Rande des Abgrunds zu einer dritten Abstufung hinaufklettern muß. Von dieser führt endlich eine Leiter zur Spitze. Das Felsenstück, welches diese bildet, hat gerade so viel Fläche, daß sechs Personen in einer natürlichen Vertiefung Platz finden. Sorgsam hält sich auch der Kühnste am Rande dieses Kessels fest, und setzt sich auf den Boden nieder; denn jetzt erst fällt es in die Augen, zu welcher schwindelerregenden Höhe man hinaufgeklommen ist. Von dieser im Laufe von Jahrtausenden durch die zerstörende Kraft des atmosphärischen Wassers im Granit gebildeten Mulde oder Schüssel, wahrscheinlich der größten im Fichtelgebirge überhaupt, sehen wir leider nichts mehr.



Die Schüssel

Der Aussichtspavillon "Die Schüssel".


1820 war der markante Aussichtsturm wieder einmal besteigbar gemacht worden. Auch damals wurde der Name Schüssel noch nicht gebraucht; es war nur vom hohen Felsenturm die Rede. Erst 1833 taucht die Bezeichnung Schüssel erstmals in der Literatur auf. Als man in den Sommertagen 1851 auf dem Waldstein - noch dazu vergebens - den Besuch des in Bayreuth und Wunsiedel weilenden bayerischen Königs Max II. und seiner Gemahlin Maria erwartete, ist dieses einzigartige Naturdenkmal zerstört worden. Damals wurde der Rand dieser natürlichen Schüssel um eineinhalb Fuß (= etwa 0,45 m) abgemeißelt, die verbleibende Mulde ausgefüllt und das Aussichtshäuschen daraufgesetzt. Seine Außenwände waren mit den bayerischen Rauten bemalt, außerdem war es mit bunt verglasten Fenstern, einem Ortszeiger und einem Blitzableiter ausgestattet. Mittlerweile hat der Aussichtspavillon keine Fenster mehr und auch die Rauten sind nicht mehr zu sehen, doch geblieben ist der überwältigend schöne Rundblick auf Fichtelgebirge, Frankenwald, Vogtland und Steinwald, den man von hier aus genießen kann.



Die Schüssel

Wie ein Adlerhorst, der Aussichtspavillon "Die Schüssel".